Zwiebeln in Gartenerde – die „Muck“-Böden in Kanada

Für den Begriff „Muck-Soils“ findet sich leider keine Ein-Wort Übersetzung in der deutschen Sprache und einfach „Torf-Böden“ würde allein durch die unterschiedliche Entstehung dem auch nicht gerecht. Im Süden Kanadas wird in den Bundesstaaten Ontario und Québèc die Zwiebel und anderes Gemüse auf diesem mit bis 70 % organischer Substanz nahezu verkaufsfähigen Gartenboden angebaut.

Muck Soil
mit bis zu 70 % organische Substanz und bis zu 2m mächtig sind die „muck-soils“ in den kanadischen Provinzen Ontario und Québèc.

Entstanden sind diese Böden in Sumpfniederungen, wo sich im Wasser unter Luftabschluss das Holz des Bruchwaldes zersetzte und gemeinsam mit Torfmoosen zu der Anreicherung organischer Substanz bis über 2 m Mächtigkeit führte. Mit der Trockenlegung dieser Sümpfe ab Ende des 19ten Jahrhunderts wurden diese Flächen für die Landwirtschaft nach jeweils mehrjähriger Kalkzufuhr nutzbar.
Die ca. 6.500 ha Sommerzwiebeln in Kanada konzentrieren sich auf die Gebiete mit diesen besonderen Böden im Raum Bradford ca. 90 km nordöstlich von Toronto, Ontario und auf Sherington in der Provinz Québèc südlich von Montréal.
Beim Vergleich der Klimadaten und geographischen Gegebenheiten fällt auf, dass bei gleichem Breitengrad mit z. B. dem Raum Bologna in Italien die Temperaturen vor allem im Winter und Frühjahr deutlich niedriger als in der südlichen Po-Ebene liegen.
Diese Kombination von Klimafaktoren macht die Sortenwahl zu einem besonderen Thema und man findet die nördlich der Alpen bekannte Frühsorte „Takmark“ dort unter dem Namen „Frontier“ mit Abreife erst Ende August , wenn sie z. B. in Deutschland meist schon einige Wochen geerntet ist. Der Anbau wird zusätzlich durch das auf dem Nordamerikanischen Kontinent bestehende Risiko für späte Frosteinbrüche gefährdet. Diese werden nur teilweise durch die Lage in der Nähe großen Seen kompensiert. Diese weltgrößten Süßwasserreservoire bilden einerseits den Temperatur – Puffer gegen Kälteeinbrüche sind aber auch – wie gerade im letzten November – wesentliche Ursache für die oft extremen Schneefälle in der Region.
Durch den Tageslängenverlauf werden für den Süden von Kanada bei etwa gleicher Saatzeit wie Zentraleuropa Sorten gebraucht , die bei vergleichsweise kurzer Tageslänge die Bulbenbildung einleiten. Frühere Sorten haben dann zu wenig Zeit für den vegetativen Aufbau des Ertragspotentiales. Das erklärt auch, warum ca. 10 % des Anbaues in Kanada von vorkultivierten Pflanzzwiebeln stammt – der einzige Ausweg um bei den gegebenen Tageslängen schon Anfang August auf ein ausreichendes Ertragsniveau zu gelangen.
Der Markt in Kanada verlangt mehr Sortierungsstufen bis 100 mm als in Europa. Trotz der im Allgemeinen guten Nährstoffnachlieferung wird wohl dort die Ursache für überraschend hohe N-Empfehlungen von gesamt 120/130 kg N liegen. Erst neuere kürzlich umgesetzte Versuche konnten belegen, daß der Stickstoff auch bei Halbierung der Menge in keinem untersuchten Fall zu Ertrags bzw. Sortierungsreduktion führte.
Eindrucksvoll die Bestände auf der Farm Hillside Garden Ltd. in Bradford Ontario, wo unter Leitung von Produktionsmanager Ray Horlings ca. 80 ha Zwiebeln sich anlässlich eines Feldtages von Norseco Ltd präsentieren. Insgesamt fällt in den Beständen die starke Laubentwicklung und natürlich die in Nordeuropäischen Augen recht späte Reife auf.

Sortendemonstration
Robert Dumoulin von Norseco erläutert anlässlich eines Zwiebelfeldtages die unterschiedliche Sortenreaktion auf N-Reduzierung
unterschiedliche Wurzelsysteme
deutlich erkennbar die unterschiedlichen Wurzelsysteme und Laubstärken bei der Frühsorte „Frontier“ ( Takii ) und der Sorte Prince ( lokale Züchtung)
späte Abreife
erst Ende August beginnt das sehr gesunde Laub sich zu legen.

Auf dem Familienbetrieb Hillside Garden werden in der vierten Generation Gemüse mit Konzentration auf Wurzelgemüse produziert. Dazu gehören Möhren, Pastinaken, rote Bete. Die gesamtproduktion verteilt sich auf mehrere Standorte in Kanada und auch den USA um mit hoher Verlässlichkeit der aufnehmenden Hand ganzjährig als Partner zur Verfügung zu stehen.
Die Zwiebeln werden wie in Kanada üblich zur Vorbereitung der Ernte ohne Abschlegeln mit einfachem Wellenroder oder Klinge nur unterfahren und ausgehoben. Danach wird auf fast voller Beetbreite auf dem Feld nachgetrocknet. Das eingezogene Laub wird bei der Aufnahme auf dem recht leichten Lader mit Rollentischen entschlotet, so dass nach guter Abreife nur die gut belüftbaren Bulben in den Holzkisten zur Lagerung landen. Eindrucksvoll ist das im Internet zu verfolgen.


Nach der Aufnahme werden die Zwiebeln in Kistenlagerung bis Juli gelagert und an Supermärkte abgegeben, wo sehr großer Wert auf lokale Produktion aber auch auf anspruchsvolle Warenpräsentation gelegt wird.

Feldentschlotung
deutlich erkennbar der Rollentisch zur Entschlotung bei Aufnahme der abgereiften Ware

Hier ist anscheinend eine guten Alternative zum amerikanischen „Top-Air“ System, das auf sehr trockenes Wetter zur guten Funktion angewiesen ist. Die Maschinen schaffen ca. 30 to pro Stunde – durch die recht einfache und leicht Bauweise erreicht Hillside Garden dann aber die nötige Schlagkraft durch den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Geräte.
Nach Auskunft der Fa. Univerco in Quebec kann die Kapazität aber auch nach individuellem Kundenwunsch durch Erweiterung des 16 Rollentisches auf 24 Rollen deutlich erweitert werden.

erweiterbares System
deutlich erkennbar die 16 Rollen des Univerco – Ladegerätes

Im Raum Montréal stehen auf ähnlichen Böden wie in Ontario nahe dem Ort Sherington die Zwiebeln in der Obhut mehreren Organisationen, die sich aber eng miteinander abstimmen um den allgemeinen Vermarktungserfolg nicht zu gefährden. Die produzierenden Betriebe sind sowohl Anteilseigner einer eigenen Aufbereitung und Vermarktung „ONIPRO“ als auch beteiligt an der Marke „Vert Nature“.
Auch hier wird in Versuchen an der Reduzierung des Stickstoffeinsatzes gearbeitet. Eindrucksvoll ist die Einführung eines Prognosesystemes sowohl für
Botrytis squamosa als auch aktuell für falschen Mehltau. Dabei wird versucht über das Fangen und Analysieren der Pilzsporen noch am Tag der Probenahme dem Produzenten ein Ergebnis und eine Handlungsempfehlung zur Verfügung zu stellen. Aktuell können die Geräte eine Sporulationsdichte von 3 – 5 Sporen pro m³ Luft erfasst werden.
Die aktuellen Daten sind erscheinen ermutigend, da sich der erste Befalls bzw. Sporulationzyklus im aktuell starken Befall deutlich wiederspiegelt.

falscher Mehltau
durchgängig starker Befall mit P. destructor ca. 35 Tage nach Messung ersten Sporenfluges
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einige auch in Mitteleuropa bekannte Namen finden sich wieder
Bodenschonende Technik
Andrang an der Spritzenfüllstation
Abreife von Schalotten
Zur Nachreife und Kaliberbegrenzung aufgelegte Schalotten bei Delfland Inc. ( www.delfland.ca)

Spezialprodukte wie Schalotten bereiten die UNIPRO bzw. Vert Nature angeschlossenen Betriebe z. T. ganz in eigener Regie auf wie die 80 ha Schalotten bei Delfland Inc. , die daneben noch 40 ha Zwiebeln und 80 – 100 ha Eissalat für die Verarbeitung im Anbau haben. Das in Kanada sowohl bei Zwiebeln als auch bei Schalotten eingesetzte Ladesystem mit Rollenentschloter erlaubt die vorzeitige Unterbrechung des Grössenwachstums auch bei Schalotten. Gleichzeitig kann das sehr gesund gehaltene Laub während der Abreife wie bei Zwiebeln die für die Dormanz nötige Einlagerung von Phytohormonen sicher stellen.
Die Gemüse und natürlich auch Zwiebelproduktion eines Landes bzw. Gebietes wird im Allgemeinen durch die Produktpräsentation beim Endverbraucher deutlich. Eindrucksvoll kann dies in Kanada z. B. bei Loblaws in Toronto aber auch auf dem eindrucksvollen Wochenmarkt „Jean Talon“ in Montréal unter Beweis gestellt werden.
Bild: sehr gleichmässiger Schlottenknick bei Delfland Inc. kurz vor der Aufnahme zur Endabreife.

Supermarkt in Kanada
sehr schöne Präsentation bei „Loblaws“ Toronto
Convenience
Zwiebeln zur Selbstbedienung im Convenience – Regal bei Loblaws
Wochenmarkt
auf dem Wochenmarkt „Jean Talon“ in Montreal
Vielfalt in Kartoffeln
reiche Auswahl auch an Kartoffeln
Wochenmarkt
eine breite Palette auch bei Zwiebeln

 

 

Text und Bilder : Dr. Peter Grauert, CONCEPA

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