Tropfbewässerung bei Zwiebeln – sIcher kein Luxus !

Ein umfangreiches Beregnungsprojekt „Tropfbewässerung “   auf ca. 90 ha Zwiebeln und 10 ha Kartoffeln wurde 2016 im Betrieb Bauer & Partner Agrar GmbH im Marchfeld – Niederösterreich entwickelt , umgesetzt und vorgestellt.

Schon länger arbeitet Reinhard Bauer aus Untersiebenbrunn im Marchfeld/Niederösterreich an zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten die Zwiebelerträge und Qualitäten zu optimieren.  Die Verbesserung von Wasser- und Nährstoffversorgung vor allem in der Jugendentwicklung ist da besonders in den Mittelpunkt gerückt.

Nicht nur in Österreich wird über an diesem Thema  gearbeitet . G´s – Shropshire aus dem Südosten von England ist mit einer Gesamtproduktionsfläche im Freiland von ca 11.500 ha ( davon ca. 1.300 ha Zwiebeln ) eines der größten Gemüseanbauunternehmen in Europa. Der Inhaber John Shropshire kündigte anlässlich der Zwiebel- und Möhrenkonferenz in England im Nov. 2015 an : „nachdem wir in Spanien gelernt haben, wie es funktioniert, wollen wir unter anderem auch in England (!! ) und unseren Niederlassungen in Polen und Tschechien die Tropfbewässerung bei Zwiebeln einführen“.

Das war eine willkommene Bestätigung der Entwicklungsarbeit, die Reinhard Bauer da bereits auf zwei Winterzwiebelflächen mit ca. 15 ha im WInter 2015/16  geleistet hatte und die im Frühjahr 2016 in ca. 90 ha Sommerzwiebeln und ca. 10 ha Kartoffeln ausgeweitet und  umgesetzt wurde.

Da wurde seine Weiterentwicklung der Agricola Saattechnik mit 10 Einzelreihen auf 3 m Beeten aufgesattelt auf eine Forigo Umkehrfräse in einem Arbeitsgang mit der Andros Schlauchverlegung ergänzt.  Dadurch ist nun auch die Optimierung der Wasser- und Nährstoffversorgung ( Fertigation ) auf sehr elegante Weise möglich .

Die besonders beregnungsintensiven Jahre 2014 und 2015 hatten den Betrieb Bauer –  und viele andere Gemüsebetriebe im österreichischen Marchfeld –  vielfach an den Rand der Leistungsfähigkeit des traditionellen Systems von Rohrleitungen mit Kreisregnern gebracht. Die Beregnungsteams waren da mehr oder weniger Tag und Nacht im Einsatz und mussten trotz Wind und und während großer Mittagshitze durchgehend beregnen um überhaupt   annähernd das nötige Pensum zu schaffen.

Den Gemüseproduzenten im sehr kontinentalen – also sommerwarmen und trockenen Klima des Marchfeldes ist die Bewässerung über Rohrleitungen mit Kreisregnern ein bewährter und eingespielter Standard geworden.  Dabei kann aber die in den Jahren gestiegene BeregnungsIntensität nicht immer von der Technik in vollem Umfang geleistet werden.  Die Zwiebel reagiert bekannt sehr empfindlich auf Trockenstress z. B. durch Absterben der Spitzen im sowieso schon recht knappen Wurzelsystem – dabei sind oberirdisch kaum Anzeichen von Trockenstress gleich erkennbar.  In Versuchen in den USA ( Lindsay Dutoit, Washington State University ) weiß man, dass z.B. Phoma terrestris ( Erreger der rosa Wurzelfäule ) so begünstigt werden kann.

Die Hürden bis zur praktischen Umsetzung waren hoch und sehr zahlreich.  „Wenn ich nur geahnt hätte, welche Probleme da in der Summe auf uns zu kommen, hätten wir das wohl nicht gemacht“ – trotzdem blickt Reinhard Bauer heute mehr als stolz und zufrieden auf das bislang Erreichte zurück.

Bild: Reinhard Bauer erläutert die Standard-Kopfstation mit allen nötigen Elementen für die Versorgung von ca. 12 - 16 ha in z. B. vier bis sechs Sektionen.
Bild: Reinhard Bauer erläutert seine Standard-Kopfstation ( IBC-Container ) mit allen nötigen Elementen für die Versorgung von ca. 12 – 16 ha in z. B. vier bis sechs Sektionen.

 

„Keiner konnte uns wirklich sagen, wie es im Detail geht – aber dank des Engagements meines Schwagers und der Mitarbeiter in seiner Firma für Bewässerungstechnik und viel, viel investierter Zeit und natürlich auch Kapital – waren wir am Ende erfolgreich“.

Da hätte schon das zunächst weniger geeignete Fabrikat vom Tropfschlauch durch zu viele Beschädigungen oder schlechtere  Eignung zum Wickeln das ganze Projekt zum Erliegen bringen können. Dazu haben sich bei zu flacher Schlauchverlegung die Rehe durch ihre spitzen Paar – Hufe,  die Hasen durch heftiges Scharren und die Krähen durch durstiges Picken sehr unbeliebt gemacht – so dass anfangs der Saison sehr viel Zeit auf das Flicken von Leckagen entfiel.

Bild : häufigste Ursache für Leckagen sind Krähen oder Rehhufe
Bild : häufigste Ursache für Leckagen sind Krähen oder Rehhufe

„Wenn es aber dann alles funktioniert – ist die Arbeitserleichterung immens “ sagt Bauer und „die gleichmäßige Entwicklung der Bestände beeindruckend“.   Bislang waren besonders in trockenen Jahren in den Beständen so viele „Ertragswellen“ wie Regner in den Beständen festzustellen. Dabei lagen die  Ertragsschwankungen zwischen Max- und Minimum in Bereichen von 30 %  und darüber . Das heißt also unvermeidbar bei durchschnittlich mindestens 15 % Ertragsverlust auf die Gesamtfläche bezogen.

Bild : durch dunklere Färbung leicht erkennbare Ertragswellen in einem Bestand von Sommerzwiebeln im Herbst 2015
Bild : durch dunklere Färbung leicht erkennbare Ertragswellen in einem Bestand von Sommerzwiebeln im Herbst 2015

Gemeinsam mit Leopold Grabovsky und seinem Planer Herbert Moestl wurde ein Modulsystem entwickelt um mit immer gleichen Bausätzen für unterschiedliche Feldzuschnitte und Feldgrößen ein flexibles System für die eigene und die mit dem Betrieb Bauer verbundene Vertragsproduktion zu schaffen. So trägt die Standard – Kopfstation z. B. den Filter, den Schaltschrank für die Magnetventile und den Mischer für die Fertigation leicht transportabel auf einem IBC – Container.

segmentweise Beregnung mit z.B. 3 mm /Tag; im Vordergrund die Kopfstation dahinter Sandfilter für einen neuen Brunnen
segmentweise Beregnung mit z.B. 3 mm /Tag; im Vordergrund die Kopfstation dahinter Sandfilter für einen neuen Brunnen

Im Sommer 2016 wurde dann der Netafim – 16mm Schlauch mit einem Tropferabstand von 30 cm zwischen 5 und 7 cm tief bei der Saat in einem Arbeitsgang verlegt.  Dadurch hat sich nach Auskunft von Reinhard Bauer die Flächenleistung  bei der Saat  „trotz noch nicht ganz ausgefeilten Routinen “ nur um ca.  20 % verringert.  Zu diesem Mehraufwand müssen natürlich noch die aufwändigere Planung,  die Schulung von Mitarbeitern und die Logistik für das Material gerechnet werden.   Alles in allem aber ein Mehraufwand , der sich in den Arbeitsspitzen in trockenen Sommerperioden mehr als rentiert, wenn man nur völlig unabhängig vom Wind  nötigenfalls täglich einige mm bewässern und natürlich ggf. auch düngen kann.

hochwertige Messtechnik (hier Pessl Instruments ) begleitet unbedingt dies Verfahren
hochwertige Messtechnik (hier Pessl Instruments ) begleitet unbedingt dies Verfahren

Nachdem die 16mm Schläuche nur auf eine Schlauch-  gleich Feldlänge von ca.  300 m in einer Richtung  ohne allzuviel Druckverlust erlauben,  wurden die Winterzwiebeln 2016 – 17 mit 22mm verlegt.   Die Beobachtungen und Messungen zeigen, dass im Frühjahr 2017 dann mit Tropferabständen von 40 cm gearbeitet werden kann, wodurch höhere Feldlängen bis über 400 m jeweils in einer Richtung genutzt werden können ( insgesamt also bis 800 m Feldlänge ).

Der geringe Druckbedarf von nur einem Bar ist  ein zusätzliches Argument für Bauer, da er ohne Probleme auch längere Zuleitungen zu den Feldern  je nach Leistung der verfügbaren Brunnen verlegen kann.

Mit der Verlege-  und Bergetechnik „ANDROS“ aus den USA lässt sich im Gegensatz zu den üblichen Rohrleitungen überdies die  Ausbringung und Bergung der  Bewässerungstechnik fast vollständig mechanisieren und hilft so Arbeitsspitzen zu kappen.

stabiles und ausgereiftes Schlauchbergegerät der Fa. ANDROS (USA)
stabiles und ausgereiftes Schlauchbergegerät der Fa. ANDROS (USA)
nur wasserfrei und sauber aufgerollte Schläuche werden zur Entsorgung akzeptiert ( und dann sogar bezahlt !)
nur wasserfrei und sauber aufgerollte Schläuche werden zur Entsorgung akzeptiert ( und dann sogar bezahlt !)

Es sind nicht  so sehr die Ertragssteigerungen, die für Reinhard Bauer im Vordergrund stehen, als eher die bessere Kalkulierbarkeit der Sortierungen durch die deutlich gleichmäßigere Entwicklung der Einzelpflanzen.  Wir sehen auch ein gleichmäßigeres Wachstum, das  sich z. B. bei roten Zwiebeln in gleichmäßigeren Ringen sichtbar wiederfindet.

„Wir wollen die Ausreißer nach unten abpuffern  und für die Vermarktungssaison besser planen können “  sagt Bauer und „dies insbesondere , weil wir in Österreich etwas empfindlichere Sortentypen mit anschließendem, teurerem Kistenlager anbauen, als es die Niederlande tun können“.

Wir können auch unabhängig von erfolgten Bewässerungen jederzeit die Felder für nötige Pflanzenschutzmaßnahmen befahren.  Dazu sind wir sicher,  dass sich die Gefahr von pilzlichen Blattkrankheiten deutlich verringert.   Durch die „grüne Brücke „, die die Winterzwiebeln im Gebiet bilden ist da vor allem der falsche Mehltau ein Hauptproblem .

die sehr hohe Gelichmäßigkeit der Einzelpflanzen ohne Lücken sichert das hohe Ertragspotential
die sehr hohe Gelichmäßigkeit der Einzelpflanzen ohne Lücken sichert das hohe Ertragspotential

Aktuell arbeitet man im Betrieb Bauer an der Steuerung der Beregnung in Zusammenarbeit mit der Firma Pessl Instruments, die dies Pilotprojekt begleitet.  Man will die Bodenfeuchtedaten aus  verschiedenen Tiefen drahtlos  ( auch aufs Mobiltelefon)  übertragen und  so die Möglichkeiten der Feinsteuerung  der Wassergaben ausnutzen.

Die Erfolge, der Unterfußdüngung zu Zwiebeln , wie sie u. a. aus Dänemark berichtet werden möchte Bauer über die Fertigation direkt nutzen und im Idealfall eine von den Wuchstadien abhängige Dosierung  der Nährstoffe erreichen.

auch an Feldspitzen kann die Zuleitung leicht angepasst werden.
auch an Feldspitzen kann die Zuleitung leicht angepasst werden.
Verdoppelung der möglichen Feldlänge durch mittige Zuleitung und Verteilung in zwei Richtungen
Verdoppelung der möglichen Feldlänge durch mittige Zuleitung und Verteilung in zwei Richtungen
beeindruckend gleichmäßige Pflanzenentwicklunghier mit 22mm Netafim-Schlauch in Winterzwiebeln Okt. 2016
beeindruckend gleichmäßige Pflanzenentwicklunghier mit 22mm Netafim-Schlauch in Winterzwiebeln Okt. 2016

Selbstverständlich geht Reinhard Bauer davon aus, dass sich die Anstrengungen letztendlich rechnen müssen.   Die Verringerung der Ertrags – und Sortierungsschwankungen zu einem höheren und zuverlässigerem Durchschnitt in Menge und Qualität , die wir bisher haben sehen können haben uns immer wieder ermutigt auf diesem nicht einfachen Weg – trotz teils heftigen Rückschlägen – weiter zu machen.

diese Winterzwieibeln gehen Mitte November sehr gleichmäßig in den "Winterschlaf"
diese Winterzwieibeln gehen Mitte November sehr gleichmäßig in den „Winterschlaf“

 

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